Der Bodensee, Europas drittgrößter Binnensee, erstrahlt in neuer Reinheit. Die aktuellen Messwerte der Internationalen Gewässerschutzkommission für den Bodensee (IGKB) zeigen: Die Phosphatwerte liegen bei nur noch 6 Mikrogramm pro Liter — der niedrigste Wert seit Beginn der systematischen Messungen 1969 und vergleichbar mit dem Zustand vor der Industrialisierung der Region.
Jahrzehntelange Arbeit zahlt sich aus
Die Verbesserung ist das Ergebnis von über 40 Jahren konsequentem Gewässerschutz. In den 1970er Jahren war der Bodensee stark mit Phosphaten belastet — die Folge intensiver Landwirtschaft und ungeklärter Abwässer. Die Anrainerstaaten Deutschland, Österreich und die Schweiz investierten seitdem gemeinsam über 4 Milliarden Euro in Kläranlagen, Abwassersysteme und landwirtschaftliche Schutzmaßnahmen.
Seltene Fischarten kehren zurück
Mit der verbesserten Wasserqualität kehrt auch die Artenvielfalt zurück. Biologen der Universität Konstanz haben bei der jüngsten Bestandsaufnahme drei Fischarten nachgewiesen, die seit über 20 Jahren als regional ausgestorben galten: den Bodensee-Kilch, die Seeforelle und den Strömer. Insgesamt leben heute wieder 38 Fischarten im See — vor 15 Jahren waren es nur 29. Auch die Bestände der Bodensee-Felchen, des wichtigsten Speisefischs der Region, haben sich erholt.
Trinkwasser für Millionen
Die gute Wasserqualität hat auch praktische Bedeutung: Der Bodensee versorgt rund 5 Millionen Menschen in Süddeutschland mit Trinkwasser. Die Aufbereitungskosten sind dank der verbesserten Rohwasserqualität in den letzten zehn Jahren um 25% gesunken. „Der Bodensee zeigt, was möglich ist, wenn drei Länder an einem Strang ziehen", sagt IGKB-Präsident Dr. Harald Hetzenauer.
Neue Herausforderungen durch den Klimawandel
Trotz der positiven Entwicklung gibt es neue Herausforderungen. Steigende Wassertemperaturen durch den Klimawandel könnten das ökologische Gleichgewicht verschieben. Die IGKB hat deshalb ein neues Monitoring-Programm gestartet, das mit 120 Sensoren die Wassertemperatur in Echtzeit überwacht. Zusätzlich wurden 14 Millionen Euro für Forschungsprojekte bereitgestellt, die die Auswirkungen des Klimawandels auf den See untersuchen.
Originalquelle: Süddeutsche Zeitung — „Bodensee so sauber wie seit 50 Jahren nicht"
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