Die Tafeln in Deutschland leisten seit Jahrzehnten unverzichtbare Arbeit — doch steigende Nachfrage und begrenzte Ressourcen führten vielerorts zu langen Wartelisten. Die Dresdner Tafel hat dieses Problem mit einem innovativen Logistikkonzept gelöst und kann nun doppelt so viele Familien versorgen wie noch vor einem Jahr.

Digitale Plattform statt Zettelwirtschaft

Herzstück des neuen Systems ist eine digitale Plattform, die Lebensmittelspenden von Supermärkten, Bäckereien und Restaurants in Echtzeit erfasst und optimal an die 12 Ausgabestellen der Dresdner Tafel verteilt. Statt wie bisher alle Spenden zentral zu sammeln und dann auszuliefern, werden die Lebensmittel direkt von der nächstgelegenen Quelle zur nächsten Ausgabestelle gebracht. Das spart täglich über 200 Kilometer Fahrstrecke und drei Stunden Sortierarbeit.

Weniger Lebensmittelverschwendung

Durch die schnelleren Transportwege und die bessere Koordination konnte die Dresdner Tafel auch die Lebensmittelverschwendung drastisch reduzieren. Mussten früher rund 15% der gespendeten Lebensmittel entsorgt werden, weil sie nicht rechtzeitig verteilt wurden, liegt dieser Wert jetzt bei unter 3%. „Jede Karotte, jedes Brot, das bei einer Familie ankommt statt im Müll zu landen, ist ein Gewinn", sagt Tafel-Leiterin Kerstin Hoffmann.

Freiwillige als Schlüssel zum Erfolg

Das neue System hat auch die Arbeit der Freiwilligen vereinfacht. Über eine App können sich Helfer flexibel für Schichten anmelden und sehen sofort, wo Hilfe gebraucht wird. Die Zahl der aktiven Ehrenamtlichen ist dadurch von 180 auf 320 gestiegen — viele davon junge Menschen unter 30. „Die App macht es einfach, sich einzubringen, auch wenn man einen vollen Stundenplan hat", erzählt der 22-jährige Student Tobias, der zweimal pro Woche bei der Verteilung hilft.

Modell für andere Tafeln in Deutschland

Der Bundesverband Deutsche Tafel hat das Dresdner Modell zum Pilotprojekt erklärt. Ab Herbst 2026 soll die digitale Plattform in zehn weiteren Städten eingeführt werden, darunter Leipzig, Nürnberg und Hannover. Die Entwicklungskosten von 280.000 Euro wurden durch eine Mischung aus Stiftungsgeldern und einem Crowdfunding-Projekt gedeckt, an dem sich über 4.500 Spender beteiligten.

Originalquelle: MDR — „Dresdner Tafel verdoppelt Kapazität mit neuem Logistikkonzept"

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