Jahrelang klagten Handwerksbetriebe über Nachwuchsmangel — doch jetzt dreht sich der Trend. Die deutschen Handwerkskammern melden für das Ausbildungsjahr 2025/26 insgesamt 412.000 neu abgeschlossene Ausbildungsverträge. Das sind 12% mehr als im Vorjahr und der höchste Wert seit 2011.

Energiewende als Turbo für Handwerksberufe

Den stärksten Zuwachs verzeichnen Berufe, die direkt mit der Energiewende verbunden sind. Die Zahl der neuen Auszubildenden im Elektrohandwerk stieg um 28%, im Sanitär-Heizung-Klima-Bereich um 24%. „Die jungen Leute sehen, dass sie hier nicht nur einen sicheren Job haben, sondern aktiv an der Zukunft mitbauen", sagt Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks.

Auch die Vergütung hat sich deutlich verbessert. Die durchschnittliche Ausbildungsvergütung im Handwerk liegt mittlerweile bei 1.040 Euro im ersten Lehrjahr — ein Plus von 18% gegenüber 2023.

Imagewandel durch Social Media

Experten sehen auch einen Imagewandel als Grund für den Boom. Handwerks-Influencer auf TikTok und Instagram erreichen Millionen junger Menschen. Kanäle wie „Meister der Zukunft" oder „HandwerkStolz" zeigen den Alltag in Werkstätten und auf Baustellen — und räumen mit alten Vorurteilen auf. Die Kampagne „Das Handwerk" der Handwerkskammern erreichte 2025 über 180 Millionen Social-Media-Impressionen.

Auch Frauen entdecken das Handwerk

Besonders erfreulich: Der Frauenanteil in klassischen Handwerksberufen ist auf einen Rekordwert von 19% gestiegen. Im Elektrohandwerk hat sich die Zahl der weiblichen Auszubildenden in drei Jahren verdreifacht. Gezielte Mentoring-Programme und Schnuppertage an Schulen zeigen Wirkung. „Das Handwerk wird vielfältiger — und das ist gut so", betont Handwerkspräsident Wollseifer.

Regionale Unterschiede bleiben

Trotz des positiven Trends gibt es noch regionale Unterschiede. Während Bayern und Baden-Württemberg fast alle Ausbildungsplätze besetzen konnten, blieben in ländlichen Regionen Ostdeutschlands noch rund 8% der Stellen unbesetzt. Die Handwerkskammern setzen hier verstärkt auf Mobilitätsprogramme und Wohnungszuschüsse für Auszubildende, die für ihre Lehre in eine andere Region ziehen.

Originalquelle: Deutschlandfunk — „Handwerk meldet Rekordzahl an Ausbildungsverträgen"

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