Mikroplastik ist überall — in Flüssen, Seen, im Grundwasser und sogar im menschlichen Blut. Bisher gab es keine praktikable Methode, die winzigen Plastikpartikel aus der Umwelt zu entfernen. Ein Forschungsteam aus München hat jetzt möglicherweise die Lösung gefunden: ein Enzym, das Mikroplastik buchstäblich auffrisst.

Zufallsfund in einer Kläranlage

Die Entdeckung begann mit einem Zufall. Bei der Untersuchung von Bakterien in einer Münchner Kläranlage fiel dem Team um Dr. Julia Bergmann auf, dass bestimmte Bakterienstämme Plastikpartikel in ihrer Umgebung abbauten. Nach drei Jahren Forschung gelang es, das verantwortliche Enzym zu isolieren und im Labor nachzubauen. Das Enzym mit der Bezeichnung „PlastiCleave-7" zerlegt die häufigsten Mikroplastik-Typen — Polyethylen, Polypropylen und Polystyrol — in harmlose Bestandteile: Wasser, CO2 und organische Säuren.

Beeindruckende Geschwindigkeit

In Laborversuchen zersetzte PlastiCleave-7 über 95% des Mikroplastiks in kontaminierten Wasserproben innerhalb von fünf bis sieben Tagen. Bisherige biologische Abbaumethoden brauchten dafür Monate oder Jahre. Das Enzym arbeitet bei Temperaturen zwischen 10 und 35 Grad optimal — also genau im Bereich mitteleuropäischer Gewässer. Und es bleibt dabei stabil: Eine einzelne Dosis behält ihre Wirkung über mehrere Wochen.

Einsatz in Kläranlagen geplant

Der vielversprechendste Einsatzbereich sind Kläranlagen, über die ein Großteil des Mikroplastiks in die Umwelt gelangt. In einer Pilotanlage bei München wird PlastiCleave-7 seit Oktober 2025 getestet. Die Ergebnisse: 92% weniger Mikroplastik im Ablaufwasser — bei Zusatzkosten von nur 0,3 Cent pro Kubikmeter gereinigtem Wasser. Vier weitere Kläranlagen in Bayern und Baden-Württemberg sollen ab Sommer 2026 folgen.

Globales Potenzial

Das Max-Planck-Institut hat die Ergebnisse im Fachmagazin „Nature" veröffentlicht und bereits über 200 Anfragen von Wasserversorgern aus 30 Ländern erhalten. Die Produktionskosten des Enzyms sind gering, da es biotechnologisch in großen Mengen hergestellt werden kann. „Wir haben die Natur nicht verbessert — wir haben nur zugehört", sagt Dr. Bergmann. „Die Lösung war die ganze Zeit da."

Originalquelle: Spiegel — „Max-Planck-Institut entdeckt Enzym gegen Mikroplastik"

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