Tuberkulose gilt als eine der tödlichsten Infektionskrankheiten weltweit. Jedes Jahr sterben rund 1,3 Millionen Menschen daran, besonders in Ländern mit schwacher Gesundheitsinfrastruktur. Besonders besorgniserregend: Die Zahl der multiresistenten Tuberkulose-Fälle (MDR-TB) steigt seit Jahren. Doch jetzt gibt es einen echten Hoffnungsschimmer aus Berlin.

Berliner Forschungsteam nutzt mRNA-Technologie

Ein Team um Prof. Dr. Elena Richter an der Charité hat die während der COVID-19-Pandemie weiterentwickelte mRNA-Technologie für den Kampf gegen Tuberkulose adaptiert. Der neue Impfstoff mit der Bezeichnung TB-mRNA-7 kodiert für sieben verschiedene Antigene des Tuberkulose-Erregers — darunter auch Proteine, die bei resistenten Stämmen vorkommen.

„Die mRNA-Plattform erlaubt uns, innerhalb weniger Wochen auf neue resistente Stämme zu reagieren", erklärt Prof. Richter. „Das ist der entscheidende Vorteil gegenüber klassischen Impfstoffen."

Phase-II-Studie mit beeindruckenden Ergebnissen

In der klinischen Phase-II-Studie mit 3.200 Teilnehmenden aus zwölf Ländern zeigte der Impfstoff eine Wirksamkeit von 94% gegen multiresistente Tuberkulose-Stämme. Die Nebenwirkungen waren mild und vergleichbar mit denen einer Grippeimpfung. Besonders vielversprechend: Auch bei bereits infizierten Personen konnte der Impfstoff das Fortschreiten der Krankheit in 78% der Fälle verhindern.

Weltgesundheitsorganisation reagiert enthusiastisch

Die WHO hat den Impfstoff bereits für ein beschleunigtes Zulassungsverfahren vorgemerkt. „Das könnte der größte Durchbruch in der Tuberkulose-Bekämpfung seit der Entwicklung des BCG-Impfstoffs vor über 100 Jahren sein", sagte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus. Die Produktionskosten liegen bei geschätzten 3,50 Euro pro Dosis — ein Preis, der auch für einkommensschwache Länder tragbar wäre.

Phase-III-Studie startet im Sommer

Die Phase-III-Studie mit über 30.000 Teilnehmenden soll im Juli 2026 beginnen. Beteiligt sind Kliniken in 28 Ländern, darunter Südafrika, Indien und Indonesien — den am stärksten betroffenen Regionen. Bei positivem Verlauf könnte der Impfstoff bereits Ende 2027 eine Notfallzulassung erhalten. Die Charité und das Bundesforschungsministerium haben gemeinsam 180 Millionen Euro für die weitere Entwicklung bereitgestellt.

Originalquelle: Spiegel — „Neuer mRNA-Impfstoff gegen resistente Tuberkulose"

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