Was 2019 als kleine Nachbarschaftsinitiative in einem Hochhausviertel begann, ist heute ein preisgekröntes Sozialprojekt mit europäischer Strahlkraft. „Nachbarn helfen Nachbarn" aus München-Neuperlach hat den renommierten Europäischen Sozialpreis 2026 erhalten — eine Auszeichnung, die jährlich an das innovativste Gemeinschaftsprojekt Europas vergeben wird.
Von der Einkaufshilfe zum Modellprojekt
Angefangen hat alles mit einer einfachen Idee: Jüngere Bewohner des Viertels helfen älteren Nachbarn beim Einkaufen und bei Arztbesuchen. Gründerin Maria Steinberger, selbst Sozialarbeiterin, organisierte die ersten Tandems über eine WhatsApp-Gruppe. Heute koordiniert ein Team von 15 hauptamtlichen Mitarbeitenden über 2.000 Freiwillige, die rund 1.800 ältere Menschen im Alltag unterstützen.
Mehr als nur praktische Hilfe
Das Besondere an dem Projekt: Es geht weit über Einkaufshilfe hinaus. Die Freiwilligen organisieren wöchentliche Spieleabende, Sprachcafés und gemeinsame Kochaktionen. Ein eigenes Mentoring-Programm bringt Schüler mit pensionierten Fachkräften zusammen. „Einsamkeit im Alter ist eines der größten Gesundheitsrisiken", sagt Steinberger. „Wir bekämpfen sie mit echten menschlichen Beziehungen."
Eine begleitende Studie der Ludwig-Maximilians-Universität München zeigte: Bei den betreuten Senioren sank das Einsamkeitsempfinden um 62%, die Zahl der Notaufnahme-Besuche ging um 34% zurück.
Europa schaut auf Neuperlach
Die Jury des Europäischen Sozialpreises lobte besonders die Skalierbarkeit des Modells. Das Konzept lässt sich mit geringen Mitteln auf andere Stadtteile übertragen — und genau das passiert bereits. In Stuttgart, Leipzig und Salzburg sind nach dem Münchner Vorbild ähnliche Initiativen entstanden. Auch Kommunen in den Niederlanden und Dänemark haben Interesse angemeldet.
Finanzierung durch Gemeinschaft
Das Projekt finanziert sich zu 40% aus kommunalen Mitteln, zu 35% aus Spenden und zu 25% aus Stiftungsgeldern. Die Stadt München hat angekündigt, die Förderung bis 2030 zu verdoppeln. „Was in Neuperlach funktioniert, soll in ganz München möglich sein", sagte Oberbürgermeister Dieter Reiter bei der Preisverleihung in Brüssel.
Originalquelle: Süddeutsche Zeitung — „Münchner Nachbarschaftsprojekt gewinnt Europäischen Sozialpreis"
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