Was viele intuitiv schon wussten, ist jetzt wissenschaftlich belegt: Der Wald ist Medizin. Eine fünfjährige Langzeitstudie der Universität Freiburg mit 8.400 Teilnehmenden liefert die bisher umfangreichsten Daten zum Zusammenhang zwischen Waldspaziergängen und Herz-Kreislauf-Gesundheit.
So effektiv wie leichte Blutdruckmedikamente
Die Ergebnisse sind eindrucksvoll: Teilnehmende, die dreimal pro Woche mindestens 45 Minuten im Wald spazierten, senkten ihren systolischen Blutdruck im Schnitt um 8 mmHg — ein Wert, der mit der Wirkung leichter Blutdruckmedikamente vergleichbar ist. Der Ruhepuls sank um durchschnittlich 5 Schläge pro Minute. Auch die Stresshormone Cortisol und Adrenalin gingen messbar zurück: um 23% bzw. 18%.
Warum gerade der Wald so gut tut
Das Forschungsteam um Prof. Dr. Sabine Waldherr identifizierte mehrere Faktoren, die den Waldspaziergang besonders wirksam machen. Die sogenannten Phytonzide — natürliche Duftstoffe, die Bäume abgeben — senken nachweislich den Cortisolspiegel. Das gedämpfte Licht unter dem Blätterdach beruhigt das Nervensystem. Und die gleichmäßige Bewegung auf weichem Waldboden ist gelenkschonender als das Gehen auf Asphalt. „Der Wald bietet eine Kombination aus Sinnesreizen, die kein Fitnessstudio replizieren kann", sagt Waldherr.
Krankenkassen erstatten „Grüne Rezepte"
Auf Grundlage der Studie haben vier große Krankenkassen — die AOK, die Techniker Krankenkasse, die Barmer und die DAK — ein gemeinsames Pilotprogramm gestartet. Ärzte können jetzt „Grüne Rezepte" ausstellen: Eine Verordnung für strukturiertes Waldgehen, begleitet von geschulten Waldgesundheitstrainern. Die Kosten von rund 120 Euro für einen achtwöchigen Kurs übernehmen die Kassen. Bisher haben sich 12.000 Patienten angemeldet.
Waldtherapie als Zukunftsmodell
Das Programm folgt dem japanischen Vorbild des „Shinrin-yoku" (Waldbaden), das dort seit 1982 Teil des Gesundheitssystems ist. In Deutschland werden aktuell 25 zertifizierte „Heilwälder" in Zusammenarbeit mit Forstämtern und Kommunen eingerichtet — Waldgebiete mit markierten Therapiepfaden und Ruhezonen. Bis 2028 soll in jedem Bundesland mindestens ein Heilwald zur Verfügung stehen.
Originalquelle: Ärzteblatt — „Waldspaziergänge senken Blutdruck messbar"
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